Rom baut seine Abfallwirtschaft grundlegend um: Rund eine Milliarde Euro investiert die Stadt allein in eine neue Großanlage, die aus Restmüll Energie gewinnen soll. Parallel dazu entstehen moderne Einrichtungen zur Verwertung von Bioabfällen und Wertstoffen. Maßgebliche Technologie für den Umbau der Millionenmetropole kommt aus der Steiermark: Anlagen des Recycling-Pioniers Komptech übernehmen künftig die mechanische Aufbereitung von jährlich rund 100.000 Tonnen Bioabfällen und Grünschnitt.
FROHNLEITEN/ROM. Es gehört zu den weniger ruhmreichen Konstanten der Ewigen Stadt: Rom hat ein Müllproblem – und das seit Jahrzehnten. Dabei mangelt es vor allem an eigenen Anlagen, um den Abfall der drei Millionen Einwohner-Metropole selbst zu behandeln.
Sogar Bioabfälle werden deshalb bis heute hunderte Kilometer weit aus der Stadt gebracht. Damit soll nun Schluss sein: Rom baut seine Abfallwirtschaft in einer Dimension um, wie es die italienische Hauptstadt seit Jahrzehnten nicht erlebt hat.

Das größte Einzelprojekt entsteht in Santa Palomba südlich der Stadt. Mitte Mai haben dort die Bauarbeiten für einen neuen „Waste-to-Energy“-Komplex begonnen, der ab 2029 jährlich bis zu 600.000 Tonnen nicht wiederverwertbaren Restmüll behandeln soll. Schon das ursprüngliche Budget der Stadt veranschlagte dafür samt Aufbereitung und Recycling der Rückstände Investitionen von rund 850 Millionen Euro. Allerdings: Verbrannt werden soll nur, was sich nicht mehr sinnvoll verwerten lässt.
Parallel baut Rom deshalb jene Infrastruktur auf, die der Stadt bislang fehlt: Anlagen für Papier und Kunststoff – und zwei große Vergärungsanlagen für Bioabfälle: in Cesano und Casal Selce. Jeder von ihnen ist für 100.000 Tonnen organische Abfälle pro Jahr ausgelegt. Gemeinsam sollen sie Biomethan und jährlich rund 36.000 Tonnen hochwertigen Kompost erzeugen.
Steirisches Herzstück in Cesano
An dieser Stelle kommt steirisches Know-how ins Spiel: Im Stadtteil Cesano am nördlichen Rand Roms übernimmt Technologie des Frohnleitner Recycling- und Umwelttechnikspezialisten Komptech einen wesentlichen Teil der mechanischen Vorbehandlung.
Drei „Terminator“ von Komptech, jeweils ausgestattet mit Förderbändern und Magnetabscheidern, zerkleinern die angelieferten Bioabfälle. Für den Grünschnitt kommt der Frohnleitner „Crambo“ – ebenfalls samt Förderbändern – zum Einsatz. Geliefert wird über den italienischen Vertriebspartner CGT.
„Dass unsere Technologie Teil dieser Neuordnung der römischen Abfallwirtschaft ist, hat für uns eine besondere Bedeutung. Rom schafft hier Behandlungskapazitäten für Abfälle, die bislang über weite Strecken transportiert werden mussten. Mit unserer Technik leisten wir einen konkreten Beitrag dazu, diese Wertstoffe künftig direkt vor Ort aufzubereiten“, erklärt der zuständige Komptech-Manager Thorsten Pichler.
Entscheidend: Die Frohnleitner liefern gemeinsam mit CGT die komplette Lösung – von den Maschinen über Fördertechnik und Metallabscheidung bis zur Automatisierung. Planung, Montage und Inbetriebnahme müssen dabei ebenso ineinandergreifen wie die Arbeiten der zahlreichen beteiligten Unternehmen vor Ort.
„Aus technischer Sicht erfordert die Integration stationärer Maschinen, Fördertechnik, Magnetabscheidung und Automatisierungssysteme eine enge Zusammenarbeit zwischen Planern, Anlagenbauern und Montageteams. Gerade angesichts des ambitionierten Zeitplans und der hohen Komplexität ist das Projekt damit auch ein wichtiger Meilenstein für Komptech beim Ausbau der Kompetenz im Bereich des stationären Anlagenbaus“, streicht Komptech-CSO Ewald Konrad hervor. Die Installationsarbeiten befinden sich bereits in der Endphase, die Inbetriebnahme ist für Jänner 2027 vorgesehen.

Grüne Kreislaufwirtschaft
Das Prinzip dahinter ist Kreislaufwirtschaft im industriellen Maßstab: Lebensmittelreste und andere organische Abfälle werden zunächst von Störstoffen befreit und zerkleinert. Anschließend werden sie unter Luftabschluss vergoren. Dabei entsteht Biogas, das zu Biomethan aufbereitet und fossile Energieträger ersetzen kann. Was nach der Vergärung übrig bleibt, wird gemeinsam mit entsprechend aufbereitetem Grünmaterial zu Kompost weiterverarbeitet. Die Stadt gewinnt damit aus ihrem Müll gleichzeitig Energie und einen Rohstoff für Landwirtschaft und Gartenbau.
„Der entscheidende Punkt ist, dass aus einem Entsorgungsproblem ein regionaler Wertstoffkreislauf entsteht. Die Bioabfälle müssen künftig nicht mehr über Hunderte Kilometer transportiert werden, sondern können direkt in Rom verarbeitet und energetisch genutzt werden. Das spart Transporte und Emissionen und gleichzeitig entstehen Biomethan und Kompost. Genau darin liegt die Stärke solcher Projekte: Abfall wird dort zur Ressource, wo er anfällt“, sagt Pichler.
Zur besseren Einordnung: Mit Cesano und der nahezu baugleichen Anlage in Casal Selce sollen jene rund 3.000 Lkw-Fahrten Richtung Norditalien entfallen, die heute notwendig sind, weil der Hauptstadt eigene Behandlungskapazitäten fehlen. „Wenn jährlich tausende Lkw-Fahrten wegfallen und gleichzeitig aus Abfall Energie und neue Rohstoffe entstehen, wird Nachhaltigkeit konkret“, sagt Konrad.
