Wirtschaft aus der SteiermarkDonnerstag, 30. Juli 2026
WIRTSCHAFTSWELT.ATWissen. Entscheiden. Steiermark gestalten.

Allgemein

„Made in Europe“: Grazer liefern größte Wasserstoff-Anlage des Landes

In St. Martin im Sulmtal errichtet die Energie Steiermark mit dem H2-Hub Bergla eine der größten Wasserstoffproduktionsanlagen Österreichs. Erstmals liefert mit KS Engineers ein steirisches Technologieunternehmen eine komplette Wasserstoff-Produktionsanlage dieser Größenordnung. Besonders: Gemeinsam mit Projektpartner Bosch setzt man auf eine ausschließlich europäische Lieferkette bei zentralen Komponenten. GRAZ. In Bergla entsteht derzeit eines der ambitioniertesten Wasserstoffprojekte Österreichs: […]

So soll die Wasserstoffanlage in Bergla aussehen: Das Grazer Technologieunternehmen KS Engineers liefert die komplette 5-Megawatt-Elektrolyseanlage, die ab 2027 bis zu 750 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr produzieren soll. (Foto: KS Engineers)

In St. Martin im Sulmtal errichtet die Energie Steiermark mit dem H2-Hub Bergla eine der größten Wasserstoffproduktionsanlagen Österreichs. Erstmals liefert mit KS Engineers ein steirisches Technologieunternehmen eine komplette Wasserstoff-Produktionsanlage dieser Größenordnung. Besonders: Gemeinsam mit Projektpartner Bosch setzt man auf eine ausschließlich europäische Lieferkette bei zentralen Komponenten.

GRAZ. In Bergla entsteht derzeit eines der ambitioniertesten Wasserstoffprojekte Österreichs: Mit dem rund 25 Millionen Euro schweren „H2-Hub Bergla“ errichtet die Energie Steiermark eine großindustrielle Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff. Bereits Ende 2027 soll die Anlage in Vollbetrieb gehen. Eingesetzt wird der Wasserstoff unter anderem bei der Wolfram Bergbau und Hütten AG, wo fossile Energieträger schrittweise ersetzt werden sollen. Bis zu 750 Tonnen grüner Wasserstoff können pro Jahr produziert werden – genug, um industrielle Hochtemperaturprozesse, thermische Anwendungen oder energieintensive Produktionsschritte von Erdgas auf grünen Wasserstoff umzustellen.

Das technologische Know-how dafür kommt aus der Steiermark: Technologieunternehmen KS Engineers, mit Hauptsitz in Graz, verantwortet als Systemlieferant die Planung und Realisierung der gesamten Elektrolyse-Anlage.  

 Im Herzstück der Wasserstoffanlage wird Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Zum Einsatz kommen dabei Bosch-Stacks vom Typ „Hybrion“, die seit Frühjahr 2025 am Markt sind.
Im Herzstück der Wasserstoffanlage wird Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Zum Einsatz kommen dabei Bosch-Stacks vom Typ „Hybrion“, die seit Frühjahr 2025 am Markt sind.

Technologie-Transformation

Das insgesamt 700-köpfige steirische Unternehmen vollzieht damit eine bemerkenswerte Transformation, wie KS Engineers-Geschäftsführer Daniel Kopriva berichtet: „Wir kommen ursprünglich aus der hochkomplexen Automotive-Prüftechnik und haben über viele Jahre Know-how im Bereich Wasserstoff, Brennstoffzelle und Elektrolyse aufgebaut. Jetzt übertragen wir dieses Wissen erstmals in eine industrielle Produktionsanlage dieser Größenordnung. Genau darin liegt aus unserer Sicht die Besonderheit dieses Projekts.“ Den Ausbau des Geschäftsfeldes hat KS Engineers in den vergangenen Jahren konsequent vorangetrieben: Das Unternehmen setzte in der jüngeren Vergangenheit mehrere Projekte im Bereich der Elektrolyse-Prüftechnik um.

Ende des vergangenen Jahres angelten sich die Grazer – unter strengsten Geheimhaltungsauflagen – zudem einen weiteren Großauftrag: Das Unternehmen realisierte einen Prüfstand mit dem künftig noch leistungsstärkere Elektrolyseure getestet werden können.

Geschäftsführer von KS Engineers: Daniel Kopriva (Credit: KS Engineers)

Partnerschaft mit Bosch

Von diesem Know-how profitiert man nun auch beim weststeirischen Leuchtturmprojekt. Denn mit Bosch ist ausgerechnet jener Stuttgarter Technologiekonzern zentraler Projektpartner, mit dem KS Engineers in den vergangenen Jahren mehrfach in diesem Segment erfolgreich kooperierte. So lieferten die Steirer zuletzt Prüfanlagen für jene Elektrolyse-Stacks der Deutschen, die nun in Bergla wieder zum Einsatz kommen.

Geschäftsführer Kopriva unterstreicht: „Europa verfügt über die technologische Kompetenz, um im Wasserstoffbereich eine führende Rolle einzunehmen. Die Partnerschaft mit Bosch zeigt, dass sich komplexe Industrieprojekte auch mit einer konsequent europäischen Wertschöpfungskette erfolgreich umsetzen lassen.“

Kürzlich wurde die Zusammenarbeit mit dem Konzern aus dem Raum Stuttgart auch formal vertieft: KS Engineers trat der internationalen Bosch-Community „H2EARTBEAT“ bei. Die strategische Initiative vernetzt Kunden und Projektpartner von Bosch mit dem Ziel, gemeinsam Marktpotenziale zu erschließen und den nachhaltigen Erfolg im Wasserstoffmarkt zu fördern.

Höchste Reinheit und Stabilität

Technologisch setzt KS Engineers in Bergla auf eine sogenannte PEM-Elektrolyse (Proton Exchange Membrane): Dabei wird Wasser mithilfe von elektrischem Strom in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Als Kernkomponente kommen vier PEM-Stacks jeweils in der Leistungsklasse von 1,25 Megawatt zum Einsatz. Die Stacks von Projektpartner Bosch gelten als Herzstück der Anlage: In ihnen findet die eigentliche elektrochemische Wasserstoffproduktion statt. Die technische Herausforderung liege dabei insbesondere in „Prozessstabilität, Wasserstoff-Reinheit und Anlagenverfügbarkeit“, sagt Kopriva.

Er erklärt: „Die Anlage wird deshalb über zwei getrennte Elektrolyseure mit jeweils 2,5 Megawatt aufgebaut. Dadurch kann das System auch während Wartungsarbeiten eingeschränkt weiterbetrieben werden.“  Gleichzeitig sind aufwendige Aufbereitungs- und Reinigungsmodule notwendig, um die geforderte hohe H2-Qualität sicherzustellen: Der produzierte Wasserstoff muss einen Reinheitsgrad von zumindest 99,99 Prozent erreichen.

„Diese hohe Qualität ist notwendig, weil bereits kleinste Verunreinigungen industrielle Prozesse, Brennstoffzellen oder technische Systeme beeinträchtigen können“, so Kopriva.

China-Unabhängigkeit

Bei der Realisierung der Anlage wird bewusst auf regionale und europäische Wertschöpfung gesetzt – und das nicht nur als Lippenbekenntnis: Wesentliche Komponenten stammen daher – wie sonst oft üblich – nicht aus chinesischen Lieferketten: Der PEM-Elektrolyse-Stack wird etwa aus dem Bosch-Werk in Bamberg zugeliefert. Zugrunde liegt das Ziel, technologische Abhängigkeiten bei kritischer Energieinfrastruktur zu reduzieren und „europäische Souveränität in strategisch wichtigen Bereichen wie Energieversorgung und Wasserstofftechnologie aufzubauen“, so Kopriva.

Vormontiertes Prozessmodul der Wasserstoffanlage: Es bündelt Pumpen, Rohrleitungen und Regeltechnik und bildet einen zentralen Bestandteil der Elektrolyse. (Foto: KS Engineers)

Verschiebung am Markt

Die europäische Ausrichtung auf den nachhaltigen Energiesektor mache sich mittlerweile auch in den Auftragsbüchern des Unternehmens bemerkbar: „Während der klassische Pkw-Automotive-Sektor derzeit stagniert, entwickeln sich andere Segmente – wie eben der Energiesektor – weiterhin deutlich dynamischer. Hier orten wir erhebliche Wachstumspotenziale“, so KS-Geschäftsführer Kopriva.

Heißt: „Im klassischen Automobilmarkt sehen wir aktuell deutliche Zurückhaltung. Gleichzeitig entstehen im Energiesektor enorme Chancen – etwa bei Wasserstoff, Großmotoren oder Energieversorgungslösungen für Rechenzentren. Diese Projekte haben zwar lange Vorlaufzeiten und hängen stark von politischen Rahmenbedingungen und Förderungen ab, gleichzeitig erwarten wir dort eine deutlich steigende Nachfrage.“