Wirtschaft aus der SteiermarkDonnerstag, 05. November 2026
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Innovation

Diese Grazer Start-ups suchen Kapital

Elf Start-ups, jeweils drei Minuten Zeit und ein Ziel: Investorinnen und Investoren überzeugen. Bei „Idea meets Money“ in Graz sind junge Unternehmen auf erfahrene Kapitalgeber getroffen. Mittendrin: Bergfex-Gründer Markus Kümmel, der vor 27 Jahren selbst mit einer Idee begann – und heute in die nächste Generation investieren will.

Erkennen Rohrbrüche frühzeitig: Anna Robosch und David Steffelbauer, Gründer von Indigo Water (Foto: Indigo Water)

Elf Start-ups, jeweils drei Minuten Zeit und ein Ziel: Investorinnen und Investoren überzeugen. Bei „Idea meets Money“ in Graz sind junge Unternehmen auf erfahrene Kapitalgeber getroffen. Mittendrin: Bergfex-Gründer Markus Kümmel, der vor 27 Jahren selbst mit einer Idee begann – und heute in die nächste Generation investieren will.

GRAZ. Sein Lebenslauf sei vermutlich „der langweiligste, den es gibt“, sagt Markus Kümmel und lacht.

Seit 27 Jahren mache er schließlich dasselbe. Was bescheiden klingt, ist eine der bemerkenswertesten steirischen Digitalgeschichten: 1999 gründete Kümmel gemeinsam mit Partnern die Tourismus- und Outdoorplattform Bergfex. Heute beschäftigt das Grazer Unternehmen rund 30 Mitarbeiter, ist mit seinen Angeboten in 18 Sprachen verfügbar und zählt zu den führenden Outdoor-Plattformen im Alpenraum. Unlängst wechselte er die Perspektive: Bei „Idea meets Money“ ist Kümmel eben nicht auf der Seite der Gründer gesessen, sondern auf jener der potenziellen Investoren.

Elf junge Unternehmen präsentierten im Schlossbergsaal der Steiermärkischen Sparkasse ihre Geschäftsmodelle. Drei Minuten blieben jedem Team, um Interesse zu wecken. 

„Der Abend hat mir einen guten Einblick gegeben, was sich am steirischen Start-up-Markt tut und welches Potenzial in den Unternehmen steckt. Wenn die Idee, das Team und die Perspektive passen, bin ich immer offen dafür, selbst zu investieren und junge Unternehmen mit meiner Erfahrung zu unterstützen“, so der Neo-Investor.

Nun als Investor tätig: Bergfex-Gründer Markus Kümmel (Foto: BergFex)
Co-Gastgeber von „Idea meets Money“: Science Park Graz-Chef Martin Mössler (Fotos: Lueflight)

Wenn aus einer Idee ein Unternehmen werden soll

Ins Leben gerufen wurde „Idea meets Money“ von der Steiermärkischen Sparkasse gemeinsam mit dem Gründerservice der Wirtschaftskammer Steiermark, der Businessplan-Initiative i2b und dem Science Park Graz. Die teilnehmenden Start-ups müssen bereits über einen funktionsfähigen Prototyp oder einen etablierten Leistungserstellungsprozess verfügen, dürfen noch nicht länger als drei Jahre am Markt und auf Suche nach Beteiligungskapital sein.

„Gute Ideen allein reichen nicht. Damit daraus erfolgreiche Unternehmen entstehen, braucht es neben Mut und Unternehmergeist auch fundiertes Know-how, tragfähige Geschäftsmodelle und die richtige Finanzierung zur richtigen Zeit“, sagt Oliver Kröpfl, Vorstandsmitglied der Steiermärkischen Sparkasse.

Veranstalter von „Idea meets Money“: Oliver Kröpfl von der Steiermärkischen Sparkasse bringt Investoren und Start-ups zusammen (Fotos: Werner Krug)

„Als regional verwurzelte Bank sehen wir es als unsere Aufgabe, Menschen mit Ideen auf ihrem Weg zu begleiten. Mit ‚Idea meets Money‘ vernetzen wir Gründerinnen und Gründer mit Investorinnen und Investoren, die Kapital, Erfahrung und wertvolle Kontakte mitbringen – und schaffen damit die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und neue Perspektiven.“

Auch Martin Mössler, Geschäftsführer des Science Park Graz, sieht gerade im frühen Kontakt zu potenziellen Kapitalgebern einen entscheidenden Hebel: „Unsere Start-ups lösen hochrelevante Probleme – von Wasserverlusten über medizinische Sicherheit bis zum verantwortungsvollen Einsatz künstlicher Intelligenz. Bei ‚Idea meets Money‘ müssen die Teams diese oft hochkomplexen Technologien in wenigen Minuten auf ihren wirtschaftlichen Kern verdichten. Genau diese Fähigkeit brauchen sie später auch im internationalen Wettbewerb.“

Wasserleitungen und Kniegelenke

Wie breit das Spektrum ist, zeigt ein beispielhafter Streifzug durch die teilnehmenden Start-ups: Indigo Water widmet sich einem Problem, das meist unter der Erde verborgen bleibt. Ein erheblicher Teil des aufbereiteten Trinkwassers geht durch undichte Leitungen verloren. Das Unternehmen von David Steffelbauer und Anna Robosch entwickelt eine hardwareunabhängige Softwareplattform, die bestehende Daten von Wasserversorgern zusammenführt. Mithilfe künstlicher Intelligenz sollen Lecks lokalisiert und drohende Rohrbrüche frühzeitig erkannt werden.

„Wasserversorger verfügen bereits über große Datenmengen. Was häufig fehlt, ist ein System, das diese Informationen zusammenführt und daraus konkrete Entscheidungen ableitet. Unser Ziel ist klar: Schäden erkennen, bevor wertvolles Trinkwasser verloren geht und teure Reparaturen notwendig werden“, erklärt Indigo-Water-Gründer David Steffelbauer.

Navigieren Unternehmen durch unzählige KI-Angebote: Christoph und Ralph Stöckl von SimplyAI (Foto: SimplyAI)

MotionSynq setzt ebenfalls auf Daten – allerdings jene, die beim Gehen und Bewegen entstehen. Fünf tragbare Sensoren und biomechanische Analysen sollen Belastungsmuster, Asymmetrien und die Bewegungsqualität sichtbar machen. Der erste Fokus liegt auf der Gesundheit desKnies. 

„Professionelle Bewegungsanalysen finden heute überwiegend im Labor statt. Wir wollen diese Erkenntnisse in den Alltag bringen.Menschen sollen nicht erst dann verstehen, wie sie ihre Gelenke belasten, wenn bereits Schmerzen vorhanden sind“, sagt Silvio Prskalo.

Für die Weiterentwicklung des drahtlosen Prototyps, Pilotstudien und die biomechanische Validierung suchte der MotionSynq-Gründer beim Event nun Kapitalgeber. Sein Eindruck? „Wir haben erste Gespräche mit potenziellen Investoren geführt, die wir jetzt vertiefen wollen. Eine Beteiligung ist noch nicht vereinbart, aber wir haben Anknüpfungspunkte für die nächsten Gespräche.“

KI im Visier

Um Sicherheit in der Magnetresonanztomografie geht es bei MRsafe: Sind Implantate nicht eindeutig identifizierbar oder fehlen verlässliche Informationen zu ihrer MRT-Tauglichkeit, müssen Untersuchungen verschoben oder abgesagt werden.

Die Plattform der Gründerin Stefanie Pirzl bündelt verifizierte Implantatdaten, technische Parameter und KI-gestützte Entscheidungshilfen. „In der radiologischen Praxis muss rasch und gleichzeitig absolut verlässlich entschieden werden können, ob eine Untersuchung sicher durchführbar ist“, sagt die Murtalerin. „Wir wollen die aufwendige Suche in unterschiedlichen Dokumenten durch einen standardisierten digitalen Prozess ersetzen – und damit sowohl das medizinische Personal als auch die Patientinnen und Patienten entlasten.“

SimplyAI nimmt den unübersichtlichen KI-Markt ins Visier. Das Start-up entwickelt individuelle, lokal betriebene KI-Modelle und bietet einen technischen Audit für bestehende KI-Produkte an. Damit soll überprüfbar werden, ob ein System technisch hält, was Anbieter versprechen, wie sicher die Daten sind und ob sich die Investition tatsächlich rechnet. 

„Unternehmen werden derzeit mit KI-Angeboten überhäuft. Gleichzeitig fehlt ihnen häufig die technische Expertise, um Substanz und Nutzen realistisch zu beurteilen“, erklären die Gründer Ralph und Christoph Stöckl. Das Duo betont: „Wir wollen KI nicht komplizierter darstellen, als sie ist. Entscheidend ist, ob sie ein konkretes Problem löst, sicher betrieben werden kann und wirtschaftlichen Mehrwert schafft.“

Für den Aufbau von Vertrieb und Marketing sowie die Produktisierung des KI-Audits hat SimplyAIversucht, Risikokapitel im sechsstelligen Bereich einzusammeln – mit ersten Erfolgen: „Ein Investment passiert nie an einem Abend. Aber wir haben Interesse geweckt und erste weiterführende Gespräche vereinbart“, so das Duo.

„Heute läuft man gegen die Zeit“

Wie das am besten gelingt – und damit zurück zur Perspektive der Investoren – weiß Markus Kümmel aus eigener Erfahrung: Beim Event-Vorläufer warb er Anfang der 2000er selbst um Unterstützung für seine Geschäftsidee. Mit massiven Unterschieden, wie der nunmehrige Investor einräumt: Als Bergfex 1999 an den Start ging, sei selbst der Begriff „Start-up“ in Österreich noch kaum gebräuchlich gewesen. „Kurz darauf platzte die Dotcom-Blase – und mit ihr die Begeisterung vieler Kapitalgeber für Geschäftsmodelle im Internet“, erinnert sich der Bergfex-Gründer zurück. 

Er und seine Partner finanzierten das Unternehmen weitgehend aus eigener Kraft und wuchsen Schritt für Schritt. Die heute als „Bootstrapping“ bezeichnete Entwicklung hält er im Technologiebereich nur noch eingeschränkt für möglich: „Die Märkte sind dichter geworden, die Konkurrenz ist schneller und in vielen Bereichen läuft man gegen die Zeit. Kapital kann dabei helfen, früh in Entwicklung und Markteintritt zu investieren und rascher zu wachsen.“ 

Umgekehrt würden sich neue Produkte durch künstliche Intelligenz heute deutlich schneller entwickeln. Funktionen, für die Bergfex früher mehrere Monate benötigte, könnten inzwischen teilweise innerhalb weniger Wochen entstehen, sagt Kümmel. Leichter sei Gründen deshalb dennoch nicht geworden: „Die Entwicklung wird schneller. Die große Herausforderung ist heute aber, in einem sehr vollen Markt überhaupt wahrgenommen zu werden.“