Komponenten aus Hochleistungswerkstoffen werden auf der neuen Ilzer Anlage produziert. (Credit: Farsoon)

Mehr als zehn Millionen Euro hat der oststeirische 3D-Druck-Spezialist M&H in den vergangenen Jahren in den Standort Ilz investiert. Nun folgt der nächste Schritt: Das Unternehmen wird strategischer Entwicklungspartner des international tätigen Anlagenherstellers Farsoon Technologies – und baut seine Kapazitäten mit einer Millioneninvestition neuerlich aus.

ILZ. „Ja, es habe durchaus „etwas von Tetris“, lacht Patrick Herzig. Der Geschäftsführer von M&H ist derzeit am Umschlichten, Sortieren und am Schaffen von neuen Plätzen am Standort in Ilz. Der erst 2020 eröffnete Hallenzubau im Ausmaß von über 1.000 Quadratmetern sei bereits wieder an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen, erzählt Herzig.

Platz für die millionenschweren Neuankömmlinge ist dennoch gefunden worden: Zwei neue 3D-Metalldrucker des Anlagenbauers Farsoon Technologies werden aktuell in Ilz in Betrieb genommen.

„Mit dieser Erweiterung steigern wir einerseits unsere Kapazitäten. Andererseits werden aber auch neue Anwendungen ermöglicht: größere Komponenten allen voran für Raketenprogramme, komplexe Hochtemperaturbauteile oder Kleinserien für Hightech-Branchen“, so der Unternehmer. Insgesamt investiert M&H einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag in die Anlagen und erforderliche Infrastrukturmaßnahmen.

Kooperation mit Farsoon Technologies: M&H-Gründer Patrick Herzig (Credit: Lueflight)

Strategische Partnerschaft
Mit der FS 721 – eine Großanlage mit acht Lasern und einer Bauhöhe von 650 Millimetern – rüstet M&H weiter im Bereich der sogenannten Hochleistungswerkstoffe wie dem hitzebeständigen Inconel auf. Die deutlich kleinere FS 191 dient hingegen als Entwicklungs- und Erprobungsplattform.

Die auf F&E ausgelegte Maschine ist zentraler Bestandteil der vertieften Kooperation, welche die Oststeirer ab sofort mit dem chinesischen Anlagenhersteller eingehen: Als europäischer Technologiepartner wird M&H Anwendungen, Werkstoffe und Fertigungsprozesse gemeinsam mit Farsoon entwickeln.

„Neue Werkstoffe, Parameter oder Bauteilgeometrien können damit unter realen Bedingungen getestet werden, bevor sie auf die große Produktionsanlage skaliert werden. Dadurch können wir die Entwicklungszeiten deutlich reduzieren. Die Partnerschaft ermöglicht es uns insgesamt, künftig noch stärker und deutlich früher in die Entwicklung einzugreifen. Das stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit massiv“, erklärt Herzig.

Ilz avanciere darüber hinaus offiziell zum Entwicklungsstandort des weltweit tätigen Konzerns, so der M&H-Geschäftsführer. Er streicht hervor: „Das ermöglicht uns auch einen noch stärkeren Zugang zum internationalen Markt.“

Auch Farsoon sieht deutliche Vorteile in der vertieften Zusammenarbeit: „Die Anforderungen unserer Kunden steigen laufend – größere Bauteile, kürzere Entwicklungszyklen und anspruchsvollere Werkstoffe. Starke und weltweit anerkannte Partner wie M&H helfen dabei, Innovationen schneller in industrielle Anwendungen zu bringen. Deshalb vertiefen wir die Zusammenarbeit und bauen unsere gemeinsame Entwicklungsarbeit aus“, betont Farsoon Europa-Geschäftsführer Oliver Huizhi.

Auch komplexe Geometrien, die mit konventionellen Produktionsverfahren nicht darstellbar sind, können im 3D-Metalldruck hergestellt werden. (Credit: Lueflight)
Der 3D-Druck ist insbesondere bei Kleinserien oder hochspezialisierten Bauteilen häufig wesentlich wirtschaftlicher als herkömmliche Verfahren. (Credit: Lueflight)

Volle Auftragsbücher
Die aktuelle Investition von M&H reiht sich in eine Serie größerer Ausbauschritte ein. Zuletzt flossen mehr als zehn Millionen Euro in Hallenerweiterungen und Infrastruktur in Ilz – insgesamt acht neue 3D-Drucker haben in den letzten Jahren ihren Betrieb für das eigentümergeführte Unternehmen aufgenommen.

„Wer technologisch relevant bleiben will, muss laufend investieren. Daher haben wir in den vergangenen Jahren konsequent in Maschinen, Infrastruktur und Know-how investiert. Dadurch ist es gelungen, uns europaweit als Spezialist für hochkomplexe Anwendungen zu positionieren. Mit unserem Maschinenpark sind wir europaweit an der Spitze“, verweist Herzig der deshalb auch strategische Investoren oder Risikokapital andenke, „um weiteres Wachstum zu ermöglichen“.

Die Ilzer verfügen über einen der größten 3D-Metalldruck-Maschinenparks Österreichs. (Foto: Lueflight)

Die Auftragsbücher würden ein solches jedenfalls hergeben: M&H liege im aktuellen Geschäftsjahr mehr als ein Viertel über Plan. „Wir sehen aktuell eine hohe Nachfrage aus sehr unterschiedlichen Bereichen – von Raumfahrt über Energie- und Medizintechnik bis hin zu industriellen Anwendungen, bei denen Bauteile extremen Belastungen standhalten müssen. Der 3D-Metalldruck boomt extrem, weil klassische Herstellungsverfahren immer öfter an ihre Grenzen stoßen.“ Ein Ende des Expansionskurses sei daher nicht in Sicht, so Herzig.

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