Bei Robert Mauerhofer und Patrick Herzig läuft es trotz Krise gut: Auftragshöchststand herrscht bei M&H

Härtefälle, Hilfsfonds und ein harter „Lockdown“: Schon längst ist die steirische Wirtschaft mit „Covid-19“ infiziert und leidet derzeit an chronischen Umsatz- und Arbeitsplatzverlusten. Doch es gibt auch gegen das Virus immune Branchen, die Steuergelder abwerfen, die dringend nötigen Fördertöpfe wieder füllen – und entgegen aller Trends boomen: ­­­Segmente wie Fertigteilhäuser, die Medizin- und Bahnverkehrstechnik, Premiumfahrzeuge und alternative Energien sind die steirischen „Mutmacher“ in der Krise.

„Bis Oktober 2021 ist unsere Produktion voll ausgelastet“, betont Lieb Bau Weiz-Standortleiter Andreas Gruber. Worte mit akutem Seltenheitswert angesichts einer der schwersten Wirtschaftskrisen der Zweiten Republik, die zumindest aktuell keine Auswirkungen auf den von Gruber in Hartberg geführten Standort haben: Gemeinsam mit seinem siebenköpfigen Team bereitet der Standortleiter etwa 30 Einfamilienhäuser sowie weitere fünf Siedlungsprojekte in Holzriegelbauweise pro Jahr vor – und das aktuell sogar wieder auf Höchstniveau. „Corona hat uns zunächst Verzögerungen beschert. Nun boomt die Nachfrage allerdings – so sehr wie ich es in meinem 36 Jahren im Unternehmen nur selten erlebt habe“, erklärt Gruber. 

Höchstauslastung herrscht in der Fertigteilhäuser-Produktion von Andreas Gruber (Credit: Sandra Förster)

„Corona“ beflügelt medizinische Innovationen
Aus steirischer Sicht zum Glück kein Einzelfall: Denn auch die heimische Gesundheitswirtschaft baut auf ein solides Fundament: „Corona hat zudem die Innovationskraft unserer Betriebe beflügelt. Viele neue Medizinprodukte aus der Steiermark wurden in den letzten Wochen und Monaten entwickelt“, erklärt Johann Harer, Chef des steirischen Humantechnologie-Clusters. Insgesamt seien konjunkturelle Schwankungen in der Medizintechnik sowie in der Pharmaindustrie generell „nur schwach ausgeprägt. Darüber hinaus arbeiten viele unserer Partnerbetriebe an Lösungen, die zur Verbesserung der aktuellen Situation beitragen“, ortet Harer alles andere als Krisenstimmung in seiner Branche.

„‘Corona‘ ist Treiber für Innovation in der Medizintechnik“: Medizintechnikcluster -Chef Johann Harer (Cedit: HTS)

Premiummarkt gibt Vollgas
Ausgebremst wird das Virus auch am Premium-Fahrzeugmarkt: „Seit 2008 registrieren wir einen jährlichen Zuwachs zwischen 15 und 18 Prozent beim Import von Premiumfahrzeugen – auch heuer“, erklärt Gerhard Dier. Der Murtaler typisiert seit einem Vierteljahrhundert exklusive Fahrzeuge und Oldtimer aus dem internationalen Ausland. „Die Autos sprechen vermögende Menschen an, die von wirtschaftlichen Schwankungen, kaum betroffen sind.“

Das Premium- und Oldtimersegment kenne keine Krise, sagt Sachverständiger Gerhard Dier (Foto: CS)

Die positiven Auswirkungen des Handels mit den Premiumfahrzeugen kommen jedoch auf allen Ebenen an, betont Dier: „Mit den Steuerabgaben können in den aktuell herausfordernden Zeiten die Fördertöpfe der Republik zumindest wieder teilweise gefüllt werden“, erklärt der Experte. Als Anhaltspunkt: 50 Ferraris wurden heuer zwischen Jänner und Oktober in hierzulande zugelassen, um drei mehr als im gesamten Jahr 2019. Besonders begehrt sind laut Dier heuer krisenfeste US-Wägen. „Schon jetzt wurden in der Steiermark mehr Fahrzeuge von US-Hersteller Dodge zugelassen, als im gesamten Jahr 2019“, sagt Dier.

Auftraghöchststand bei 3D-Druckern
Die Stabilität des Premiumsegments schätzt man auch in der Oststeiermark: In Ilz haben die 3D-Druck-Pioniere von M&H aktuell einen exklusiven PS-Auftrag für einen italienischen Supersportwagen-Hersteller fixiert. „Bereits 20 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit exklusiven Modellen und der Formel 1“, sagt M&H-Firmenchef Patrick Herzig, der insgesamt von einem „Auftragshöchststand“ spricht: „Der 3D-Druck boomt und wird branchenübergreifend als flexibles Produktionsverfahren für Einzelteile und Kleinserien genutzt“, sagt Herzig.

Breitenfeld Edelstahl-Vertriebsvorstand Jürgen Frank (Foto: Breitenfeld Edelstahl AG)

Windkraft boomt
Der Krise trotzt auch die Entwicklung im Sektor der alternativen Energien, wie Jürgen Frank, Vertriebsvorstand der Breitenfeld Edelstahl AG betont: „Die Zulieferung in Projekte im Bereich der Wind- und Wasserkraftwerke nimmt stetig zu – und gleicht so manche Delle zurzeit aus. Darüber hinaus dürfen wir trotz ‚Corona‘ die Klimadebatte nicht aus den Augen verlieren – sie wird uns noch länger als das Virus beschäftigen“, sagt Frank. 

Bahnsegment ist auf Schiene
Auf den klimaschonenden Zug ist etwa auch die Maschinenfabrik Liezen (MFL) aufgesprungen – mit positiven Effekten für das gesamte Ennstal, wie MFL-Geschäftsführer Herbert Decker betont: „Wir sehen im Schienenverkehr massives Zukunftspotenzial, darum haben wir unsere Prozesse und unseren strategischen Marktauftritt zuletzt noch stärker auf die Bahn ausgelegt – mit nur einem Ziel: Noch stärker aus dieser fordernden Zeit zurück zu kommen.“

IT-Spezialist Mario Fraiß
(Credit: Susanne Hassler-Smith)

Insbesondere die Gießerei des Ennstaler Bahnzulieferers ist trotz „Corona“-Krise auf Vorjahresniveau – zu verdanken sei das „neuen millionenschweren Aufträgen in der Schienenverkehrstechnik“, sagt Decker.

IT: Erfolgsjahr 2020
Auf Schiene präsentieren sich auch die heimischen Digitalisierungsspezialisten: Das Grazer Technologie-Unternehmen Fraiss – spezialisiert auf digitale Prozesse verbucht eines der erfolgreichsten Jahre der Firmengeschichte. „Wir sind auf individuelle IT-Problemstellungen spezialisiert – von der es im Krisenjahr mehr als genug gegeben hat“, sagt Firmengründer Mario Fraiss.

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