Das Grazer Start-up Taceo entwickelt Kryptografie-Lösungen, mit denen sensible Daten verarbeitet werden können, ohne sie offenzulegen. Damit ist das Unternehmen für eines der prominentesten Tech-Projekte der Welt unverzichtbar geworden: Für Sam Altmans „World“ kommt die in der Steiermark entwickelte Technologie mittlerweile auch bei biometrischen Daten zum Einsatz. Steiermärkische Sparkasse ist Partner der ersten Stunde.
GRAZ. Wer nachweisen will, dass er volljährig ist, legt im Alltag meist seinen Reisepass vor – und verrät damit nicht nur, dass er über 18 ist, sondern gleich auch noch Geburtsdatum, Namen, Staatsangehörigkeit und weitere persönliche Informationen.
Genau diese unnötige Offenlegung persönlicher Informationen ist es, die das Grazer Start-up Taceo technisch vermeiden will: Das 2022 gegründete Unternehmen – ein Spin-off der TU Graz und des Know Centers – entwickelt eine Lösung, um sensible Daten zwischen mehreren Parteien zu verarbeiten ohne im Klartext sichtbar zu sein. „Wir geben nur genau jenen Fakt preis, der in einem konkreten Moment notwendig ist, nicht die zugrundeliegenden Daten“, sagt Taceo-CTO Daniel Kales.

Oder etwas vereinfacht ausgedrückt: Der Beweis, 18 zu sein, führt beim steirischen Start-up nicht zwangsläufig dazu, das Geburtsdatum offenzulegen. Ein kniffliges Unterfangen, das in einer digitalen Welt, die mehr und mehr von KI-generierten Identitäten überschwemmt wird, aber zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Kryptografie statt Vertrauensvorschuss
Dieser Balanceakt zwischen Privatsphäre und Verifizierbarkeit hat Taceo zuletzt zu einem der wichtigsten Partner in einem der prominentesten Tech-Projekte der Welt gemacht: Für „World“ liefert Taceo mittlerweile entscheidende Technologie-Bausteine. Das ist jenes Projekt aus dem Umfeld von OpenAI-Chef Sam Altman, das Menschen über eine eindeutig zuordenbare ID als reale Person verifizieren will – die Identifikation selbst erfolgt dabei über einen Iris-Scan mit dem sogenannten „Orb“.
Das kugelförmige Gerät erfasst die Iris, vergleichbar mit einem Fingerabdruck, allerdings noch präziser – und damit auch eindeutig nur einem Mensch zuordenbar.
Zuletzt sorgte „World“ unter anderem dank Partnerschaften mit Visa und der Match Group, dem Mutterkonzern von Tinder, für Aufmerksamkeit. „Unsere Stärke ist, dass die Daten nicht nur verschlüsselt bleiben. Wir können auch nachweisen, dass exakt die richtige Berechnung darauf ausgeführt wurde. Das ist vor allem dort entscheidend, wo Verifizierbarkeit Pflicht ist, Offenlegung aber zum Problem wird“, unterstreicht Kales.

Bei „World“ kommt die steirische Lösung an einem besonders kritischen Punkt zum Einsatz: bei der Verarbeitung der biometrischen Daten aus den Iris-Scans. Taceo hat dafür in den vergangenen anderthalb Jahren zentrale Technologien entwickelt, damit diese hochsensiblen Informationen nicht ungeschützt verarbeitet oder gespeichert werden. „Weder unser Auftraggeber noch wir selbst haben Zugriff auf diese Daten. Genau darum geht es: Vertrauen nicht durch Versprechen herzustellen, sondern technisch abzusichern“, sagt Kales.
Mehr als Prestige für Taceo
Dass das Team von Taceo ein derart international exponiertes Tech-Vorhaben mitgestaltet, ist mehr als ein Prestigeerfolg: „‘World‘ ist derzeit eindeutig unser wichtigster Kunde. In letzter Zeit konnten wir jedoch weitere Kunden im Identity‑Bereich gewinnen und zudem erste Pilotprojekte im Segment ‚Private Payments’ starten“, bestätigt COO Stefan Plank.
Eine Abkehr des Trends sei nicht in Sicht – im Gegenteil, so der Taceo-Entscheidungsträger: „Je mehr digitale Prozesse automatisiert werden und je stärker KI in Kommunikation, Identität und Zahlungsverkehr eingreift, desto drängender wird die Frage, wie sich Authentizität beweisen lässt, ohne Privatsphäre aufzugeben.“ Neben den Unternehmensschwerpunkten digitale Identität und private Finanztransaktionen werde Taceo daher „künftig auch noch stärker die Schnittstelle zwischen Mensch, KI-Agent und digitaler Autorisierung bearbeiten“, so Plank.

Gerade bei – boomenden – intelligenten Agenten, die künftig Termine koordinieren, Flüge buchen oder Zahlungen auslösen könnten, entstehe ein zusätzlicher Bedarf: „Dann muss beweisbar sein, dass hinter einer digitalen Handlung tatsächlich ein berechtigter Mensch steht – ohne dass gleich der ganze persönliche Datensatz offengelegt wird.“
Wachstumskurs
Die zunehmende Relevanz dieser Themen schlägt sich auch zahlenmäßig bei Taceo nieder: In den vergangenen zwölf Monaten ist das – mittlerweile international aufgestellte – Unternehmen von zwölf auf 22 Mitarbeiter gewachsen. Gestemmt wird dieser Wachstumskurs auch durch ein im Vorjahr erfolgtes 5,5 Millionen US-Dollar schweres Investment. Angeführt wurde die Runde vom US-Fonds Archetype VC, dazu kamen unter anderem a16z CSX, Cyber.Fund, A.Capital Ventures und weitere Investoren aus dem internationalen Tech-Umfeld. Das Geld floss laut Unternehmen vor allem in Personal und Infrastruktur. „Unser größter Hebel sind gute Leute. Wir investieren sehr stark in Köpfe, weil sich unser System nur mit einem exzellenten Team weiterentwickeln lässt“, so Plank. Eine neue Finanzierungsrunde wird bereits vorbereitet.
Nicht auf den Exit reduziert
Vom klassischen Start-up-Zielbild, möglichst rasch auf einen Exit hinzuarbeiten, will man sich bei Taceo dennoch nicht vereinnahmen lassen.
„Uns geht es in erster Linie darum, ein substanzielles Unternehmen aufzubauen. Wenn daraus irgendwann weitere Optionen entstehen, ist das eine Folge – aber nicht der eigentliche Antrieb“, sagt Plank. Für Oliver Kröpfl, Vorstandsmitglied der Steiermärkischen Sparkasse, ist genau das entscheidend: „Gerade in der Frühphase brauchen Start-ups nicht nur Kapital, sondern auch Partner, die verstehen, wie internationales Wachstum funktioniert. Dahingehend verstehen wir uns Partner auf Augenhöhe. Von der ersten Idee – oft in unserem GründerCenter – bis zur Skalierung“, sagt Kröpfl.
Taceo zeige überdies, „welches technologische Niveau in der Steiermark entstehen kann, wenn Forschung, Unternehmertum und die richtigen Unterstützer zusammenkommen.“
GründerCenter der Steiermärkischen als Partner
Eine zentrale Rolle in der Entwicklung Taceos spielte dabei auch das GründerCenter der Steiermärkischen Sparkasse, das Start-ups nicht nur finanziell begleitet, sondern gezielt beim Aufbau tragfähiger Geschäftsmodelle unterstützt. „Wir verstehen uns als Partner auf Augenhöhe – von der ersten Idee bis zur Skalierung“, sagt Dagmar Eigner-Stengg, Leiterin des GründerCenter.
Gerade bei technologiegetriebenen Gründungen gehe es darum, unternehmerisches Potenzial früh zu erkennen und gezielt zu entwickeln: „Erfolgsentscheidend ist das Zusammenspiel aus Innovation, Marktverständnis und einem starken Netzwerk – genau hier setzen wir an.“