Cybersecurity-Vordenker Markus Seme hat sich mit BrightFlare einen Kindheitstraum erfüllt. (Foto: Lueflight)

Die Stimme von Markus Seme zählt zu den meistgehörten im Land, wenn es um Cybersecurity geht. Nun setzt der langjährige Geschäftsführer von BearingPoint Austria den nächsten Schritt – und gründet mit BrightFlare ein auf den Schutz kritischer Systeme spezialisiertes Unternehmen. Mit an Bord: ein eingespieltes Führungsteam, ein strategischer Großpartner und ein Markt, der sich gerade neu definiert. Das Ziel: ein in Graz beheimatetes Unternehmen „von Weltrang“.

GRAZ. Geht es um Cybersecurity, führt in Österreich kein Weg an Markus Seme vorbei: Seit Jahren ordnet der Steirer Entwicklungen, Bedrohungslagen und technologische Trends in Medien und als Podcaster ein – und gestaltet die Branche zugleich aus der Praxis heraus mit.

Seit über 25 Jahren in unterschiedlichen Spitzenfunktionen tätig, zuletzt als Geschäftsführer von BearingPoint Austria, setzt er nun den nächsten Schritt: Mit Anfang des Monats hat Seme mit BrightFlare sein eigenes Cybersecurity-Unternehmen gestartet.

Mit dem Schritt ins Unternehmertum erfüllt er sich einen lang gehegten Traum: „Der Gedanke, ein eigenes Unternehmen zu gründen, hat mich über viele Jahre begleitet. Entscheidend war für mich, einen Ansatz zu entwickeln, der sich konsequent an der Realität der Unternehmen orientiert. Genau daraus ist BrightFlare entstanden“, sagt Seme, Co-Gründer und Geschäftsführer.

Eingespieltes Führungsteam

An seiner Seite stehen mit Bernd Koberwein, Andreas Joham und Andreas Gandler drei langjährige Wegbegleiter: „Wir kennen uns seit vielen Jahren und haben in unterschiedlichsten Konstellationen zusammengearbeitet. Das hat den großen Vorteil, dass wir sofort in die Umsetzung kommen. Jeder weiß, wie der andere arbeitet, wo seine Stärken liegen – und genau darauf bauen wir jetzt auf. Ohne sie wäre dieses Vorhaben nicht realisierbar“, zählt Seme auf seine Co-Gründer.

Team und ebenso Thema begleiten den gebürtigen Weststeirer also auch in Zukunft. Heißt: Auch bei BrightFlare bleibt Cybersecurity die klare Kerndomäne.

Kennen einander seit über 20 Jahren zusammen, jetzt beruflich vereint am BrightFlare-Hauptsitz in der Grazer Lastenstraße: CTO Andreas Joham, CCO Bernd Koberwein, CFO Andreas Gandler und CEO Markus Seme (v. l.) (Foto: Lueflight)

Allerdings würde sich der Blick leicht verschieben, wie Seme erklärt: „Während klassische IT-Sicherheit in vielen Unternehmen längst etabliert ist, entstehen die eigentlichen Herausforderungen an den Schnittstellen: Produktionsanlagen sind vernetzt, Maschinen kommunizieren in Echtzeit mit Unternehmenssystemen, Software wird zum integralen Bestandteil von Produkten.“ Diese Trennung zwischen IT, industriellen Systemen, die sogenannte „Operations Technology“ (OT), und Softwareentwicklung existiere in der Praxis kaum noch, gleichzeitig würde aber genau dieser Bruch in vielen Organisationen noch gelebt, erklärt Seme.

Die Konsequenz: blinde Flecken in der digitalen Sicherheit. „Unser Anspruch ist es daher, IT und OT nicht isoliert zu betrachten, sondern als zusammenhängendes System zu verstehen und entsprechend abzusichern“, erklärt Seme.

Deutscher Partner an Bord

Die Nachfrage nach Schutz für IT- und OT-Systeme ist hoch. Rund 20 Mitarbeiter arbeiten aktuell bereits bei BrightFlare. Einen wesentlichen Impuls liefert zudem die Partnerschaft mit der All For One Group SE: Der internationale IT-, Consulting- und Service-Provider (Umsatz 2024/2025: 504 Millionen Euro) hat sich mit 25,1 Prozent beteiligt und stärkt den gemeinsamen Go-to-Market in sieben europäischen Ländern dank seiner Kundenbasis von rund 4.000 Unternehmen.

Für beide Seiten ist die Zusammenarbeit strategisch angelegt. „Wir sehen ein Team, das technologisches Verständnis mit unternehmerischer Klarheit verbindet. Daraus entsteht ein Angebot, das für unsere Kunden hochrelevant ist, weil Cybersecurity zunehmend zur zentralen Managementaufgabe wird“, sagt Michael Zitz, CEO der All for One Group. Auf dieser Basis soll BrightFlare in den kommenden Jahren gezielt wachsen. Bereits im Laufe des Jahres 2026 ist der Markteintritt in Deutschland geplant, weitere Länder sind in Vorbereitung. 

Automatisierte Angriffe

Für Seme ist klar, dass sich der Markt aktuell neu sortiert – und dass Geschwindigkeit dabei eine entscheidende Rolle spielt. „Wir bewegen uns in einem Umfeld, das sich technologisch extrem schnell weiterentwickelt. Wer hier bestehen will, muss nicht nur fachlich tief aufgestellt sein, sondern auch in der Lage, sich laufend weiterzuentwickeln und neue Themen frühzeitig zu integrieren“, so der Geschäftsführer. Ein zentraler Treiber dieser Dynamik sei – naturgemäß – die Rolle von künstlicher Intelligenz. Sie verändere nicht nur die Möglichkeiten auf Seiten der Verteidigung, sondern auch die Struktur von Angriffen, ist Cybersecurity-Experte Seme überzeugt.

Prozesse, die früher manuell und punktuell abliefen, werden heute automatisiert, skaliert und in immer kürzerer Zeit umgesetzt. Laut Seme würde das für Unternehmen bedeuten, „dass das klassische Reaktionsmuster zunehmend an seine Grenzen stößt“. Mehr noch: „Wir sehen, dass sich Angriffe in Richtung hochgradig automatisierter Abläufe entwickeln.

Gleichzeitig steigt die Geschwindigkeit, mit der Systeme überprüft und potenzielle Schwachstellen ausgenutzt werden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Cybersecurity nicht mehr als punktuelle Maßnahme zu verstehen, sondern als kontinuierlichen, systemübergreifenden Prozess.“

Ziel: „Unternehmen von Weltrang“

Parallel dazu wächst auch der regulatorische Druck: Mit der NIS-2 Richtlinie, dem „Cyber Resilience Act“ und Standards wie IEC 62443 (definiert Anforderungen, um den Sicherheitslebenszyklus abzusichern) entstehen neue Anforderungen, die Unternehmen strukturell betreffen.

Vor allem in der Industrie und in der Softwareentwicklung werde Cybersecurity damit zunehmend zur Voraussetzung für Marktzugang und Wettbewerbsfähigkeit, so Seme: „Regulatorik wird oft als Belastung wahrgenommen. In der Realität sorgt sie aber dafür, dass Themen wie Sicherheit systematisch angegangen werden. Für viele Unternehmen ist das ein Umdenken – und gleichzeitig ein klarer Auftrag, sich professioneller aufzustellen.“

Für Seme das optimale Umfeld, um in kurzer Zeit zu wachsen. Sein ambitioniertes Ziel: „Wir wollen auf diesem Milliardenmarkt mittel- bis langfristig internationale Strahlkraft entwickeln – und ein Unternehmen von Weltrang aus der Steiermark heraus etablieren.“ Allein in den kommenden 24 Monaten will Seme über 100 neue Arbeitsplätze in der Steiermark schaffen.

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